05.05.2009 - Hannover [Altenheim Online]
Einer aktuellen Studie der Deutsche Bank Research zufolge könnte sich die Zahl der stationären Pflegeplätze bis zum Jahr 2050 auf 3,5 Millionen erhöhen und somit verfünffachen. Damit einher könnte ein Wandel der Pflegeheime gehen: "Für die stationäre Pflege könnte eine Umgestaltung in der Weise sinnvoll und notwendig sein, dass nicht nur die Kapazitäten erhöht werden, sondern die Pflegeheime auch einen ganz anderen Charakter bekommen. Zu denken wäre an sehr kleine und dezentrale Heime, mit vielleicht nicht mehr als 20 Plätzen, die bis zu einem gewissen Grad eine wohnortnahe Versorgung von Pflegebedürftigen ermöglichen, bzw. eine Versorgung in der Nähe von Angehörigen", heißt es seitens der Autoren Baldo Blinkert und Bernhard Gräf in der Studie.
Pflegeheime dieses Typs hätten dann auch mehr den Charakter von betreuten Wohngruppen, mit einer starken Anbindung an lokale Lebenswelten und bürgerschaftlich Engagierte. Dies könnte zu
niedrigeren Kosten führen. Zur Umgestaltung gehöre auch, dass angemessene Versorgungsformen gerade für Menschen mit Demenz entwickelt würden, für die die bisherigen stationären Versorgungsformen sich
nur als begrenzt adäquat erwiesen haben.
Allerdings sei anzumerken, heißt es weiter, dass eine solche Versorgung mit kleinen Pflegeheimen angesichts der enormen Zunahme der Zahl der Pflegebedürftigen und der damit einhergehenden benötigten
Heimplätze schwierig zu verwirklichen ist, so dass der Kostensenkungseffekt insgesamt beschränkt ist.
"Ein Trend zur realistischen Einschätzung der Versorgungsmöglichkeiten und zur zunehmenden Bereitschaft, auch die stationäre Versorgung in Erwägung zu ziehen, zeige sich auch darin, dass in
Befragungen von 40- bis 60-Jährigen mehr als die Hälfte für den Fall einer eigenen Pflegebedürftigkeit auch die Versorgung in einem gut geführten Pflegeheim akzeptieren würden."
Zum Grundsatz häusliche vor stationärer Pflege kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass dieser zukünftig nicht mehr so verwirklichbar sei: Vieles deute darauf hin, dass diese beiden Formen der
Versorgung - die häuslich-ambulante Pflege und die stationäre Pflege - als gleichrangig betrachtet werden müssen und dass sich beide in einer grundlegenden Weise verändern müssen, vielleicht in dem
Sinne, dass es zunehmend flexible Übergangsformen geben wird, resümmieren die Pflegexperten.
Die Beiträge zur sozialen Pflegeversicherung werden sich unter realistischen Annahmen bis zum Jahr 2050 mehr als verdoppeln, und dies in einer Zeit, in der die Abgabenbelastung durch steigende
Renten- und Krankenkassenbeiträge ohnehin zunehme, prognostizieren die Experten ebenfalls.