28.04.2009 - Hannover [Veronika Thomas, HAZ]
Alle großen Träger der stationären Altenpflege in der Region Hannover haben sich gestern zu einem Aktionsbündnis Altenpflege zusammengeschlossen.
Unter dem Dach des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) fordern Caritas, Diakonie, Arbeiterwohlfahrt (AWO), Deutsches Rotes Kreuz (DRK), Johanniter, die städtischen Alten- und Pflegezentren sowie die Gewerkschaft ver.di eine angemessene Finanzierung der Pflegekosten. Ihren Angaben zufolge liegen die Pflegesätze in Niedersachsen rund zehn Prozent unter dem bundesweiten Durchschnitt, im Vergleich zu Nordrhein-Westfalen beträgt der Unterschied in der Pflegestufe 3 sogar 20,6 Prozent. Im Gegensatz zu vielen privaten Trägern zahlen die kirchlichen und frei gemeinnützigen Gehälter nach Tarif. Als erste Aktion plant das Bündnis eine öffentliche Anhörung am 10. Juni, zu dem unter anderem Vertreter des niedersächsischen Sozialministeriums und der Pflegekassen eingeladen werden sollen.
Sebastian Wertmüller, DGB-Chef der Region, bezeichnete das Bündnis über alle Trägergrenzen hinweg als einmaliges Ereignis, weil die finanzielle Notlage in allen Einrichtungen gleich groß sei. „Die Schere zwischen den Personalkosten und ihrer Refinanzierung wird immer größer, und die Differenz zahlt der Träger“, sagte Diakoniepastor Hans-Martin Joost. „Das können wir auf Dauer nicht leisten.“ Probst Martin Tenge, Vorsitzender der Caritas Hannover, die in der Region fünf Pflegeheime mit 500 Pflegeplätzen betreibt, erklärte, dass die Caritas Ende 2008 eine Insolvenz mit einem Defizit von 1,8 Millionen Euro nur knapp habe abwenden können. 2007 gab es in der Region Hannover 12 367 Pflegeplätze in 154 Pflegeheimen, davon im Stadtgebiet 76 Einrichtungen mit 6159 Pflegeplätzen. Mit rund 10 000 Beschäftigten, davon 80 Prozent Frauen, und einem Umsatzvolumen von rund 300 Millionen Euro stellt die stationäre Altenpflege einen beträchtlichen Wirtschaftsfaktor dar. Jochen Fitta, Geschäftsführer der AWO, forderte einen gesetzlichen Mindestlohn für pflegerische Hilfskräfte von zehn Euro die Stunde.